MATOMO & DATENSCHUTZ

Matomo datenschutz­orientiert konfigurieren

Datenhoheit schafft Möglichkeiten. Die konkrete Konfiguration entscheidet.

Matomo bietet viele Stellschrauben für eine datensparsame Webanalyse. Rechtskonform wird ein Setup jedoch nicht allein durch die Wahl des Werkzeugs, sondern durch das Zusammenspiel aus Zweck, Rechtsgrundlage, Datenumfang, Hosting, Einwilligung, Dokumentation und laufender Kontrolle.

GRUNDPRINZIP

Nicht das Produktversprechen, sondern der reale Datenfluss zählt

Für die Datenschutzprüfung muss nachvollziehbar sein, welche Daten aus welchem Grund entstehen, wohin sie gelangen und wie lange sie verfügbar bleiben.

  1. 01

    Zweck

    Welche konkrete geschäftliche Frage soll die Messung beantworten?

  2. 02

    Daten

    Welche Informationen werden dafür tatsächlich benötigt und welche können entfallen?

  3. 03

    Verarbeitung

    Welche Browser, Server, Dienstleister und Schnittstellen sind am Datenfluss beteiligt?

  4. 04

    Zugriff

    Wer darf Rohdaten, Reports und administrative Einstellungen verwenden?

  5. 05

    Lebenszyklus

    Wie werden Daten informiert erhoben, geschützt, berichtigt, exportiert und gelöscht?

GESTALTUNGSBEREICHE

Sechs Entscheidungen für ein kontrollierbares Matomo-Setup

Jede Entscheidung beeinflusst sowohl die Aussagekraft der Webanalyse als auch den Schutz der betroffenen Personen.

Zweck und Messumfang

Messziele vorab festlegen und nur Daten erfassen, die für definierte Auswertungen erforderlich sind.

Welche Entscheidung wird mit diesen Daten getroffen?

Hosting und Dienstleister

Betriebsort, Verträge, Unterauftragnehmer, Supportzugriffe und mögliche Übermittlungen vollständig betrachten.

Wer kann technisch oder vertraglich auf die Daten zugreifen?

Datenminimierung

IP-Verarbeitung, URLs, Suchbegriffe, Benutzerkennungen und zusätzliche Dimensionen gezielt begrenzen.

Welche Detailtiefe ist wirklich notwendig?

Consent und Trackingzustände

Einwilligung, Widerruf und erlaubte Messung technisch eindeutig an Matomo und den Tag Manager übergeben.

Was geschieht vor, nach und ohne Zustimmung?

Aufbewahrung und Löschung

Fristen für Rohdaten, aggregierte Berichte, Protokolle und Sicherungen begründen und technisch umsetzen.

Wann endet der benötigte Verarbeitungszweck?

Rechte und laufende Kontrolle

Rollen, Auskunfts- und Löschprozesse, Änderungen sowie regelmäßige technische Tests dokumentieren.

Bleibt die beschlossene Konfiguration im Betrieb wirksam?

ZWEI PRÜFUNGEN

DSGVO und TDDDG beantworten unterschiedliche Fragen

Ob ein Cookie gesetzt wird, ist nicht die einzige relevante Frage. Ebenso wichtig ist, ob personenbezogene Daten verarbeitet werden und worauf diese Verarbeitung gestützt wird.

DSGVO: Verarbeitung personenbezogener Daten

Zweck, Rechtsgrundlage, Datenminimierung, Transparenz, Speicherdauer, Betroffenenrechte, Auftragsverarbeitung und Sicherheit müssen für den konkreten Datenfluss geprüft werden.

TDDDG: Zugriff auf die Endeinrichtung

§ 25 TDDDG betrifft das Speichern von Informationen auf einem Endgerät und den Zugriff auf bereits gespeicherte Informationen. Ausnahmen sind eng gefasst und müssen zum tatsächlichen Verfahren passen.

Cookielos bedeutet deshalb nicht automatisch einwilligungsfrei. Auch Local Storage, Fingerprinting, Tag-Manager-Skripte oder weitere Zugriffe können relevant sein; daneben bleibt die datenschutzrechtliche Prüfung der Verarbeitung bestehen.

DATENMINIMIERUNG

Personenbezug kann an unerwarteten Stellen entstehen

Nicht nur die IP-Adresse verdient Aufmerksamkeit. Auch fachlich nützliche Felder können personenbezogene oder vertrauliche Inhalte enthalten.

DatenbereichMögliches RisikoTechnische Aufgabe
IP-Adresse und GeolokalisierungIdentifizierbarkeit und unnötig genaue OrtsdatenMaskierung, Verarbeitungsreihenfolge und benötigte Genauigkeit prüfen
Seiten- und Referrer-URLsPersonenbezogene Werte in Pfaden oder ParameternParameter ausschließen, URLs bereinigen und Anwendungen testen
Interne SucheNamen, Kundennummern oder sensible SuchbegriffeErfassung begrenzen, Inhalte filtern oder Suchtracking deaktivieren
User ID und Custom DimensionsDirekte oder indirekte Wiedererkennung einzelner PersonenNotwendigkeit, Pseudonymisierung, Zugriff und Löschbarkeit klären
Formulare und E-CommerceÜbertragung von Kontakt-, Bestell- oder KontodatenTracking-Payloads und Data-Layer auf unerwünschte Felder prüfen
Heatmaps und Session RecordingsSichtbare Eingaben, Kontoinhalte oder individuelle NutzungspfadeMaskierung, Seitenauswahl, Einwilligung und Zugriffsrechte gesondert prüfen

Welche Maßnahme angemessen ist, hängt von Zweck, Risiko und Systemlandschaft ab. Diese Tabelle ist eine Prüfhilfe und keine allgemeingültige Konfigurationsanweisung.

BETRIEBSMODELL

Datenhoheit beginnt mit einer bewussten Hostingentscheidung

Self-Hosting bietet weitreichende Kontrolle, verlagert aber Betrieb und Sicherheit in die eigene Verantwortung. Auch bei Cloud- oder Agenturbetrieb müssen Datenflüsse und Zuständigkeiten transparent sein.

FrageOn-Premise im eigenen BetriebBetreutes Hosting oder Cloud
Technische KontrolleInfrastruktur und Konfiguration weitgehend selbst steuerbarZwischen Betreiber und Dienstleister vertraglich und technisch verteilt
VerantwortungUpdates, Sicherheit, Backups, Monitoring und Löschung selbst organisierenLeistungsumfang, Weisungen, Supportzugriffe und Nachweise vertraglich klären
DatenstandortVom gewählten Rechenzentrum und den eigenen Sicherungen abhängigPrimärstandort, Backups, Unterauftragnehmer und mögliche Transfers prüfen
ZugriffeEigene Rollen und administrative Konten kontrollierenZusätzliche Zugriffe durch Hosting, Support oder Plattformbetrieb berücksichtigen
Geeignet, wennTechnischer Betrieb dauerhaft verantwortet und abgesichert werden kannVertraglich definierte Leistungen und externe Betriebsunterstützung gewünscht sind

Self-Hosting schließt externe Auftragsverarbeiter nicht automatisch aus: Rechenzentrum, Wartung, Consent-Plattform, CDN, E-Mail-Versand oder weitere Integrationen können weiterhin beteiligt sein.

CONSENT-MANAGEMENT

Eine CMP muss den tatsächlichen Trackingzustand steuern

Ein sichtbares Banner allein verhindert noch keine Datenerhebung. Entscheidend ist, welche Skripte und Requests in jedem Zustand wirklich ausgeführt werden.

Die rechtliche Entscheidung über Einwilligung oder eine mögliche Ausnahme trifft das verantwortliche Unternehmen mit seiner Datenschutzberatung. WEBFADEN setzt das beschlossene Modell technisch um und macht es prüfbar.

  1. 01

    Vor der Auswahl

    Nur die technisch erlaubten Ressourcen laden und keine ungewollten Trackingrequests senden.

  2. 02

    Nach Zustimmung

    Den vorgesehenen Matomo-Modus eindeutig aktivieren und Doppelzählungen vermeiden.

  3. 03

    Nach Ablehnung

    Nicht erlaubte Messung deaktiviert lassen und den Zustand bei weiteren Seitenaufrufen respektieren.

  4. 04

    Nach Widerruf

    Künftiges Tracking stoppen und klären, wie vorhandene Kennungen oder Daten behandelt werden.

  5. 05

    Nach Änderungen

    CMP, Tag Manager und Matomo nach Relaunches, Updates und neuen Tags gemeinsam erneut testen.

DAUERHAFTER BETRIEB

Datenschutz endet nicht mit dem ersten Trackingtest

Die beschlossene Konfiguration muss auch nach technischen und fachlichen Änderungen wirksam bleiben.

01

Aufbewahrung

Rohdaten, aggregierte Reports, Systemprotokolle und Backups mit begründeten Fristen versehen.

02

Betroffenenrechte

Auskunfts-, Export- und Löschprozesse organisatorisch festlegen und technisch ermöglichen.

03

Zugriffsschutz

Rollen, starke Anmeldung, sichere Übertragung, Updates und administrative Zugriffe kontrollieren.

04

Änderungskontrolle

Neue Events, Plugins, Formulare, Kampagnenparameter und Integrationen vor Freigabe prüfen.

Löschfristen dürfen nicht nur in einer Richtlinie stehen. Sie müssen in Matomo, angeschlossenen Systemen und Sicherungsprozessen tatsächlich umgesetzt werden.

ZUSAMMENARBEIT

Rechtliche Vorgabe und technische Umsetzung sauber verbinden

Ein tragfähiges Setup entsteht im Zusammenspiel von Verantwortlichen, Datenschutz und technischer Umsetzung.

Unternehmen und Datenschutzberatung

Definieren Zwecke, Rechtsgrundlagen, Informationspflichten, Aufbewahrung, Risiken und zulässige Trackingzustände.

WEBFADEN Analytics

Analysiert den technischen Datenfluss, setzt beschlossene Anforderungen in Matomo, CMP und Tag Manager um und dokumentiert die prüfbaren Zustände.

IT und Systembetrieb

Sichern Infrastruktur, Updates, Protokollierung, Backups, Berechtigungen und geregelte administrative Zugriffe ab.

Marketing und Fachbereiche

Begründen Messziele, verwenden freigegebene Datenfelder und melden neue Anforderungen vor ihrer technischen Umsetzung.

TECHNISCHE LEISTUNG

Was WEBFADEN für ein prüfbares Setup umsetzt

Wir geben kein pauschales Rechtsversprechen. Wir übersetzen freigegebene Datenschutzanforderungen in nachvollziehbare Technik.

01

Bestand und Datenfluss prüfen

Tracker, Tag Manager, CMP, Plugins, Requests, Datenfelder, Schnittstellen und beteiligte Systeme technisch erfassen.

02

Zielzustand umsetzen

Datenminimierung, Consent-Steuerung, Rollen, Aufbewahrung und ausgewählte Datenschutzfunktionen konfigurieren.

03

Zustände kontrollieren

Messung vor und nach Zustimmung, bei Ablehnung, nach Widerruf sowie in relevanten Seitentypen testen.

04

Ergebnis dokumentieren

Technische Entscheidungen, geprüfte Zustände, offene Punkte und Verantwortlichkeiten nachvollziehbar festhalten.

05

Betrieb absichern

Updates, Archiving, Löschroutinen, Monitoring und Berechtigungen in einen wartbaren Prozess überführen.

06

Änderungen nachprüfen

Nach Relaunches, CMP-Anpassungen, neuen Tags oder Integrationen die relevanten Datenflüsse erneut testen.

TYPISCHE SITUATIONEN

Wann ein Datenschutz- und Technikcheck sinnvoll ist

Die Beispiele beschreiben wiederkehrende Problemklassen und keine identifizierbaren Kundenprojekte.

Banner vorhanden, Verhalten unklar

Die CMP zeigt Auswahlmöglichkeiten, doch niemand hat geprüft, welche Requests vor Zustimmung oder nach Ablehnung ausgelöst werden.

Ziel: jeden Consent-Zustand technisch nachvollziehbar machen.

Matomo über Jahre gewachsen

Plugins, Benutzerkonten, Dimensionen und Datenbestände wurden erweitert, ohne das ursprüngliche Datenschutzkonzept fortzuschreiben.

Ziel: Datenumfang, Zugriffe und Fristen wieder an den tatsächlichen Bedarf anpassen.

Relaunch oder Anbieterwechsel

Neue Website, neue CMP oder ein anderes Hosting verändern Datenflüsse, Verantwortlichkeiten und die technische Messung.

Ziel: den neuen Zustand vor dem Start vollständig prüfen.

HÄUFIGE FRAGEN

Zentrale Fragen zu Matomo und Datenschutz

Ist Matomo automatisch DSGVO-konform?

Nein. Matomo stellt viele Datenschutzfunktionen bereit und erlaubt insbesondere beim Self-Hosting eine weitreichende Kontrolle. Entscheidend bleiben aber Zweck, Rechtsgrundlage, Datenumfang, tatsächliche Konfiguration, Informationspflichten, beteiligte Dienstleister und laufender Betrieb.

Braucht Matomo immer eine Einwilligung?

Das lässt sich nicht allein am Produktnamen entscheiden. Zu prüfen sind sowohl mögliche Zugriffe auf das Endgerät nach § 25 TDDDG als auch die Verarbeitung personenbezogener Daten nach DSGVO. Die Bewertung hängt vom konkreten Verfahren und der aktuellen Rechtslage ab.

Ist cookieloses Matomo automatisch einwilligungsfrei?

Nein. Ohne Cookies kann ein relevanter Zugriff auf das Endgerät oder eine Verarbeitung personenbezogener Daten weiterhin stattfinden. Entscheidend ist der gesamte technische Datenfluss, nicht nur das Vorhandensein eines bestimmten Cookies.

Reicht IP-Anonymisierung aus?

Nein. IP-Verarbeitung ist nur ein Prüffeld. Auch URLs, Suchbegriffe, User IDs, Custom Dimensions, Formulare, Session Recordings, Schnittstellen und Serverprotokolle können personenbezogene Daten enthalten.

Ist Self-Hosting immer datenschutzfreundlicher?

Self-Hosting ermöglicht mehr Kontrolle und kann externe Datenflüsse reduzieren. Es bringt aber Verantwortung für Sicherheit, Updates, Backups, Rollen, Löschung und Verfügbarkeit mit sich. Außerdem können weiterhin Hosting- und weitere Dienstleister beteiligt sein.

Ersetzt WEBFADEN eine Datenschutz- oder Rechtsberatung?

Nein. WEBFADEN analysiert und gestaltet die technische Umsetzung. Rechtsgrundlagen, Informationspflichten und die abschließende rechtliche Bewertung werden vom verantwortlichen Unternehmen mit seiner Datenschutzberatung festgelegt.

PRIMÄRQUELLEN

Grundlagen für die fachliche Prüfung

Die folgenden Quellen beschreiben den Rechtsrahmen und die technischen Möglichkeiten. Sie ersetzen keine Bewertung des konkreten Einsatzfalls.

Geprüfter Stand dieser Seite: 16. September 2026.

Datenschutz-Grundverordnung

Grundsätze, Rechtsgrundlagen, Informationspflichten, Datenschutz durch Technikgestaltung, Auftragsverarbeitung und Sicherheit.

Konsolidierte DSGVO bei EUR-Lex →

Matomo-Datenschutzfunktionen

Offizielle Dokumentation zu IP-Verarbeitung, Datenminimierung, Löschung, Opt-out, Consent und weiteren Einstellungen.

Matomo Privacy User Guide →

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